Die holländischen Maler lebten zumeist in so kärglichen Verhältnissen, daß viele der
größten ge- zwungen waren, neben ihrem künstlerischen Beruf noch andere Verdienstquellen zu
erschließen. So handelte van Goyen mit Tulpen, Hobbema betätigte sich als Steuereinnehmer, van de
Velde war Inhaber eines Leinwandhauses, Jan Steen und Aert van de Velde waren Kneipenwirte.
Ja, die Armut scheint im allgemeinen umso größer gewesen zu sein, desto bedeutender sie waren.
Rembrandt hat wenigstens auch seine guten Tage gehabt, Frans Hals dagegen war nicht besonders beliebt
und erzielte nie die Preise, die man zum Beispiel für ein Porrtrait eines van der Helst bezahlte.

Doch nicht nur Rembrandt und Hals, auch Vermeer, der dritte
führende Maler Hollands, mußte mit materiellen
Sorgen kämpfen. Und die beiden anderen größten
Maler des Landes, Pieter de Hooch und Jacob van
Ruisdael, wurden von ihren Zeitgenossen auch nicht
besonders geschätzt. Sie gehörten keinesfalls zu
den Künstlern, die ein behagliches Leben führten.(11)
Schon im 16. Jahrhundert war die Kunstproduktion in
Holland sehr groß. Allein in Antwerpen sollen um
1560 mehr als dreihundert Meister mit Malerei und
Graphik beschäftigt gewesen sein - während die
Stadt nur 169 Bäcker und 78 Fleischer hatte.
Rembrandt mit dem Hut beim Zeichnen, 1648.
Im 17. Jahrhundert geschieht es zum ersten Mal in
der Geschichte der abendländischen Kunst, daß wir
eine Überzahl von Künstlern und die Existenz eines
Kunstproletariats feststellen können. (12)
Die Preise auf dem Kunstmarkt waren in Holland im allgemeinen sehr niedrig - für ein paar Gulden konnte
man schon ein Gemälde kaufen. Ein gutes Portrait kostete zum Beispiel sechzig Gulden, als man für
einen Ochsen neunzig zahlte.
Jan Steen malte einmal drei Portraits für siebenundzwanzig Gulden. (14)
Rembrandt erhielt für die Nachtwache, auf der Höhe seines Ruhms, nicht mehr als 1.600 Gulden, und
van Goyen erzielte für seine Ansicht vom Haag 600 Gulden als den höchsten Preis seines Lebens. Mit
was für Hungerlöhnen berühmte Maler sich begnügen mußten, zeigt der Fall Isaak van
Ostades, der einem Kunsthändler im Jahre 1641 für siebenundzwanzig Gulden dreizehn Bilder lieferte. (15)

Im Verhältnis zu den oft übertrieben hohen Preisen, die man für die Werke von Künstlern
zahlte, die Italien besucht hatten und in der italienischen Manier arbeiteten, waren die in der heimisch,
naturalistischen Art gemalten Bilder immer billig.
Frans Hals,
van Goyen,
Jacob van Ruisdael,
Hobbema,
Albert Cuyp,
Isaak van Ostade und
Pieter de Hooch erzielten nie hohe Preise.
(16)
In den Ländern mit einer höfisch-aristrokratischen Kultur wurden die Künstler besser bezahlt.
Gleich im Schwesterland erhielt
Peter Paul Rubens
für seine Bilder viel höhere Beträge als die beliebtesten holländischen Maler. Er
berechnete in seiner besten Zeit hundert Gulden für einen Tag Arbeit. (17)
Von Phillip II. bekam er für sein Aktäon 14.000 Francs, den höchsten
Preis, der vor der Zeit Ludwigs des XIV. für ein Bild erzielt wurde. (18)
Die Prosa und Trockenheit, Phantasiearmut und Herzensenge, die jedes Kaufmannsregime kennzeichnet, war auch
die Signatur Hollands. Und das Milieu in dem diese Kunst aufgewachsen ist, hat ihr jenen Charakter von
grandioser Alltäglichkeit aufgedrückt, der sie
Rembrandt beim Radieren, 1658.
in den meisten ihrer Vertreter zu einem Phänomen zweiten Ranges macht. (19)
Die Langweiligkeit, Schwunglosigkeit und rechnerische Korrektheit nüchterner, ehrbarer Großkrämer,
die sich alles recht ordentlich und stattlich wünscht, aber alles überflüssige und Extravagante
ängstlich vermeidet, zeigt sich am deutlichsten in dem öden Geschäftsstil der Architektur, zum
Beispiel am
Amsterdamer Rathaus, das lange Zeit für ein Meisterwerk der Baukunst galt. (20)