1.3 Barock und Klassik
Im 17. Jahrhundert dreht sich alles um Gott, seine Gebote und das Seelenheil. Alles verkündet die grausame Verlassenheit des Menschen. Zum Leiden des materiellen Lebens kamen die Qualen des Geistes.

Die apokalyptischen Reiter. Das Ende der Welt ist gekommen und die apokalyptischen Reiter trampeln ihre Opfer nieder. Der Tod reitet ein klappriges altes Pferd, die Not schwingt die Waage, die Krankheit hebt das Schwert und der Krieg spannt den Bogen.

Die Gesellschaft des 17. Jahrhunderts, eine ständische, hierarchisch geordnete Gesellschaft, deren Struktur im Mittelalter wurzelte, entsprach der Ordnung der aristotelischenPhysik und des geschlossenen Kosmos.

Der Himmel des 17. Jahrhunderts jedoch erfuhr die radikalste Umwandlung. Das Universum des Kopernikus, Das Universum des Kopernikus. (1473 -1543), schematisch dargestellt von dem englischen Ma-
thematiker Leonard Dig- ges, revolutionierte die Astronomie, weil es die Sonne statt der Erde in den Mittelpunkt stellte.

Vom Kosmos des Pto- lemäus, seiner Astrono- mie und der aristote- lischen Physik, der bis Universum des Kopernikus

"Die apokalyptischen Reiter". Ausschnitt aus
einem Holschnitt von Albrecht Dürer, um 1497.

um 1620 - 1630 bestand, für die Ungebildeten sogar noch bis nach 1680, zum grenzenlos erfüllten Kosmos eines Descartes,
zum dualistischen und unendlich leeren Kosmos eines Newton, das war ein Wandel, wie er absoluter nicht denkbar war.

Der verlorene Sohn als Schweinehirt. Die dramatische Umwälzung vollzog sich in der Zeit zwischen 1620 und 1690, als alles zerbrach, um in ungeheuerlichen Dimensionen für den modern denkenden Menschen neu geboren zu werden.

Bewußt oder unbewußt, unabhängig von regionalen Faktoren oder persönlichem Stil, brachten Künstler und Denker mehr oder weniger offen die tragische Spannung ihrer Zeit zum Ausdruck.

Der Kupferstich von Albrecht Dürer, "Der verlorene Sohn", soll inmitten von Schweinen auf einem verfallenen Hof das Ringen der Menschen jener Zeit um eine neue Beziehung zu Gott symbolisieren.

Denn sobald die Erde nicht mehr als der Mittelpunkt des Weltalls gelten konnte, galt auch der Mensch nicht mehr als der Sinn und das Ziel der Schöpfung.

Damit war nicht nur die Vorstellung von der Willkür Gottes, sondern auch die vom Vorrecht des Menschen auf göttliche Gnade und seinen Anteil an der überweltlichen Existenz Gottes erschüttert.


"Der verlorene Sohn als Schweinehirt".
Kupferstich von Albrecht Dürer, um 1496.



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