1.1 Die religiöse Revolution
Nach dem Rückgang im 14. und 15. Jahrhundert erreichte die Religiösität im 16. Jahrhundert einen neuen Höhepunkt. Die negativen Aspekte dieser Entwicklung waren die Reformation durch Teilung, die religiöse Unduldsamkeit, die Zersplitterung der Christenheit. Weitaus wichtiger war jedoch die religiöse Erneuerung. Beides wirkte sich im 17. Jahrhundert voll aus.

Zwei Fronten bildeten sich: für oder gegen Martin Luther, für oder gegen die Rechtfertigung aus dem Glauben. Um 1570 war Europa im Begriff protestantisch zu werden. Wenn Frankreich ins protestantische Lager übergetreten wäre, hätte sich die Entwicklung nicht mehr aufhalten lassen. Eine Gegenströmung setzte mit dem Tridenter Konzil ein, der katholische Wiederstand gegen
Titelseite der päpstlichen Bulle.
Titelseite der päpstlichen Bulle: "Wider die Irrtümer Martin
Luthers und seiner Anhänger"

die Ausbreitung des Protestantismus wurde organisiert.

Es war kein Missionsfeldzug, eher ein Kreuzzug, betrachtete man doch nach spanischem Vorbild die Lutheraner als Heiden, setzte sie den Mauren gleich. Diese Einstellung reichte vom Herzog von Alba bis zu Wallenstein. Der Katholizismus leitete die Souveränität der Fürsten von Gott ab, der Protestantismus war dagegen mit seiner Lehre von der unmittelbaren Gotteskinderschaft autoritätsfeindlich.

Die katholische Reform erfasste im 17. Jahrhundert vor allem Frankreich und das mittlere Spanien, reichte von der Schweiz über das deutsche Rheinland bis in die Niederlande. Die Religiösität hatte somit auch Einfluß auf die Kunst und Kultur der Niederlande.

Nach der Teilung in die spanischen Niederlande, unter Habsburger Herr- schaft, die etwa dem heutigen Belgien entsprechen, und der Vereinigung der nördlichen Provinzen waren diese durchweg katholisch.

Dies ist aber eher kunstförderndes Moment gewesen, während der holländische Calvinismus mit seiner puritanischen Prüderie und seiner fast mosaischen Bildlosigkeit des Kultus
die Malerei der großen Stoffe beraubte, wodurch sie, auf Portrait, Sittenbild und Naturstudie be- schränkt, ein genrehaftes Gepräge erhielt. Wie sehr der philiströse Geist in den Pubblikums- bedürfnissen vorherrschte, zeigt sich daran, daß man selbst historischen Kompositionen, zu de- nen doch die Vergangenheit des Landes dringend aufgefordert hätte, nur sehr wenig Interesse entgegenbrachte. (6)
Rembrandt mit gesträubten Haar.
Rembrandt mit gesträubten Haar
Um 1631.


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