Apr
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Rembrandts’ historisches Umfeld in der holländischen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts

Das ursprünglichste ist die geographische Umwelt, Kindheit und Jugend in Leiden, dann Amsterdam – alles im engen Umkreis. So wurzelt sein persönliches Erleben zunächst in den paar Dutzend Quadratmeilen des holländischen Polderlandes zwischen Moerdijk und Zuidersee, die eindeutig den politischen, geistigen, wirtschaftlichen und auch künstlerischen Schwerpunkt der damaligen niederländischen Republik darstellte. (2)

Sein Bildungshorizont umfasste, wie seine reichen Kunst- sammlungen, die er Ende der 50er Jahre versteigern mußte, einen beträchtlichen Teil der abendländischen Kunst seiner Jahrhunderte.(3)
Rembrandts Mutter mit Kopfbinde. 1631. Datiert: 1631.
Weitaus wichtiger jedoch ist eine nähere Charakterisierung Hollands als geschichtliche Land- schaft. Der niederländische Aufstand gegen Spanien ist von Hause aus den konservativen Revolutionen zuzurechnen. Es ist ein Kampf um die alten Freiheiten und Rechte gegen die habsburgische Politik der Zentralisierung.

Man war bewußt bürgerlich und stolz auf seine Kaufmannsaristokratie. Es gelang den Hollän- dern zeitweise den überwiegenden Teil des Export- und Importhandels des nordalpinen Europas zu monopolisieren oder wenigstens zu kontrollieren – natürlich nicht gerade zum Vorteil der be- troffenen Nationen. (4)

Das niederländische Geschichtszeitalter, die Welt der Rembrandt damals angehörte, war in sich voller merkwürdiger Gegensätze.
Einerseits war der Humanismus, in der Heimat des Erasmus von Rotterdam, eine geistige Macht ersten Ranges. Der Universität Leiden wurde damals unter den europäischen Hochschulen eine führende Rolle zuerkannt.

Die humanistische Idee durchdrang fast alle Bereiche des öffentlichen und kul- turellen Lebens. Andererseits stand ne- ben dem Humanismus als zweite Macht die calvinistische Staatskirche, was sich in spätmittelalterlicher, devoter Frömmig- keit äußerte.

Alles in Allem stellte so das Holland Rembrandts eine Welt dar, in der Althergebrachtes und Neues, Boden- ständiges und Europäisches, Geistliches und Profanes einander durchdrangen. (5)

Desiderius, genannt Erasmus von Rotterdam (1496 – 1536). Kupferstich von Albrecht Dürer, 1526.

Hinter dem niederländischen Humanisten und Theologen befindet sich eine Tafel mit dem Titel des Bildes, dem Datum und dem Monogramm Albrecht Dürers.